Apple iPhone: Seine Geschichte und was das Kult-Smartphone bewirkte

Apple brachte 2007 einen gigantischen Stein ins Rollen: Die erste iPhone-Generation war geboren, woraus ein Smartphone-Boom entstand, der bis heute anhält. Alljährlich zur Vorstellung einer neuen Gerätegeneration sind die Erwartungen extrem hoch, da Apple die Messlatte entsprechend ansetzte. Vom erstem iPhone bis in noch ungeborene Generationen wurden dem Smartphone riesige Gewinne prognostiziert – und eingehalten.

Das neueste iPhone 4S unterscheidet sich optisch kaum vom Vorgänger (Bild: flickr.com/Johan Larsson)
Das neueste iPhone 4S unterscheidet sich optisch kaum vom Vorgänger (Bild: flickr.com/Johan Larsson)

Geschichte des Apple iPhone

Dass es ein Mobilfunkgerät schaffen würde, binnen zwei Tagen 270.000 Mal abgesetzt zu werden, hätte sich wohl bis vor einigen Jahren nie jemand zu träumen gewagt. Apple bewies im Jahr 2007, dass genau das funktioniert: In rund 200 Apple-Stores und 1.800 Filialen wurde erstmals das iPhone angeboten. Nicht mal die Tatsache, dass das 4 GB-Modell mit 499 US-Dollar und das 8 GB-Modell mit 599 US-Dollar zu Buche schlug, sollte den Erfolg des Smartphones eindämmen – im Gegenteil: Es revolutionierte regelrecht den Markt und brachte einen Stein ins Rollen, der auch in den kommenden Jahren noch nicht gestoppt sein soll, glaubt man den Aktienprognosen.

Seine Wirtschaftsjahre beendet Apple alljährlich Ende September und in 2007 wurden aufgrund des iPhones sämtliche bisherigen Verkaufsrekorde geschlagen: 1,4 Millionen iPhones setzte Apple zwischen Ende Juni und Ende September ab. Ausschließlich in den USA und ausschließlich über den Mobilfunkprovider AT&T, der seinerzeit die Exklusivvertriebsrechte innehatte.

In Deutschland zog die Deutsche Telekom ab dem 09. November desselben Jahres nach. 399 Euro und ein Zweijahresvertrag wurden fällig, außerdem musste eine SIM-Lock-Sperre in Kauf genommen werden; während der kompletten Mindestvertragslaufzeit war es iPhone-Usern also nicht möglich, den Provider zu wechseln. Absatzzahlen von 13,7 Millionen Geräten in 2008 und die Marktöffnung für 80 weitere Länder im März 2009 sprechen für sich.

Die technische Entwicklung schritt mit der Nachfolgegeneration, dem iPhone 3G, voran, welches ab dem 11.07.2008, also gut ein Jahr später, in 21 Ländern ausgeliefert wurde. Die 4 GB-Variante des ersten iPhones war kurz nach Erscheinen vom Markt genommen worden und mit dem iPhone 3G war nun auch ein 16 GB-Modell erhältlich. Wieder banden sich Käufer für mindestens zwei Jahre an die Deutsche Telekom, respektive entsprechenden Exklusivvertriebspartnern in anderen Ländern, und waren bereit, sich das 8 GB-Modell zwischen einem und 169,95 Euro, die 16 GB-Variante 19,95 bis 249,95 Euro kosten zu lassen – je nach Tarif. Als technische Highlights zogen mit A-GPS die Standortbestimmung und mit UMTS/HSDPA schnellere Verbindungen ins iPhone ein. Ohnehin sowohl stetiger Kritik als auch höchsten Lobeshymnen ausgesetzt, standen durch die Standortbestimmung erstmals die Datenschützer auf dem Plan, denen die Verwendung von Geodaten der User bis heute ein Dorn im Auge ist. Weiter ging es wie folgt:

iPhone 3GS im Juni 2009: Die HSDPA-Geschwindigkeiten wurden von 3,6 Mbit/s auf 7,2 Mbit/s gesteigert (deshalb das „S“ für „Speed“ im Namen), die 2 MP-Kamera wurde durch eine mit 3 MP und Video-Aufnahme/-Schneidefunktion (30 Bilder/Sekunde) ersetzt, ein 32 GB-Modell war verfügbar, ein digitaler Kompass (Magnetopmeter) fand Einzug und mit OpenGL 2.0-Unterstützung wurden 3D-Grafik und Akkulaufzeiten optimiert.

iPhone 4 im Juni 2010: Das sogenannte Retina-Display (960 x 640 Pixel statt bisher 480 x 320 Pixel) und Multitasking-Unterstützung (das Ausführen mehrerer Prozesse gleichzeitig) waren die größten technischen Neuerungen. Auch die Kamera wurde grundlegend überarbeitet und bot nun 5 MP, LED-Blitz, 5-fachen Digitalzoom, 720p-Videoaufnahmen und frontseitig eine VGA-Kamera für Videotelefonie. Dieses Feature nannte Apple FaceTime und kurze Zeit später etablierte es sich in Smartphones weiterer Hersteller, mittlerweile ist es fast schon Standard. Ein A4-Prozessor optimierte die Akkulaufzeiten um 40 Prozent, 512 MB Arbeitsspeicher sorgten im Zusammenhang damit für schnellere Prozessgeschwindigkeiten. Das mobile Gaming wurde von Apple durch einen 3D-Bewegungssensor salonfähig – wie auch Videotelefonie war dies keine neue Erfindung, erlebte aber mit dem iPhone 4 eine Renaissance. Auch das Design des Smartphones erlebte Neuerungen: In einen Edelstahl-Rahmen wurde die Antenne integriert, das Gerät wurde 3 mm dünner und versiegeltes, kratzfestes Glas zierte Front- und Rückseite.

iPhone 4S im Oktober 2011: Als Künstler in Sachen Verschwiegenheit verriet Apple lange Zeit nicht, welche Änderungen vorgenommen werden sollten. Bis zur Vorstellung des iPhone 4S. Erwartet wurde das iPhone 5, was mit großen Neuerungen verbunden wäre, und doch sprengte auch das nicht den hohen Erwartungen von Kritikern entsprechende iPhone 4S sämtliche bisherige Verkaufsrekorde. „S“ steht auch hier für „Speed“: Mit 14,4 Mbit/s lässt sich über HSDPA surfen, die A4-CPU bringt ein Plus in Leistung und Grafik und mittlerweile stecken 8 MP in der iPhone-Kamera, die nun auch Full HD-Videos (1080p) aufzeichnet. Eine zweite Antenne bügelt die Empfangsschwierigkeiten der Vorgeneration aus und mit dem iOS 5, der neuesten Betriebssystem-Version, kommt GLONASS als GPS-Alternative. Mit Siri wurde eine Spracherkennungs-/-verarbeitungssoftware vorinstalliert.

iPhone-Absatz in Zahlen

Welche Bedeutung das Apple iPhone dem Smartphonemarkt brachte, wird deutlicher, wenn man die Absatzzahlen kennt, die Wikipedia übersichtlich zusammengestellt hat. Das Geschäftsjahr beginnt bei Apple mit dem ersten Quartal zwischen Oktober bis Dezember, geht weiter mit dem zweiten Quartal von Januar bis März, dem dritten Quartal von April bis Juni und endet im vierten Quartal von Juli bis September. Insgesamt setzte der Konzern seit 2007 bis 2011 (4. Quartal) 146.032.000 iPhones ab. Das teilt sich wie folgt auf:

Finanzjahr

1. Quartal

2. Quartal

3. Quartal

4. Quartal

Gesamt

2007

 

 

270.000

1.119.000

1.389.000

2008

2.315.000

1.703.000

717.000

6.890.000

11.625.000

2009

4.363.000

3.793.000

5.208.000

7.367.000

20.731.000

2010

8.737.000

8.752.000

8.398.000

14.100.000

39.987.000

2011

16.240.000

18.650.000

20.340.000

17.070.000

72.300.000

Gesamt

 

 

 

 

146.032.000

Aktienverlauf und -prognose

Dass das iPhone beachtliche Gewinne nach sich zog, zeigt neben den Absatzzahlen auch der Aktienverlauf (alle folgenden Zahlen in Euro, bereinigt), der vor dem Kult-Smartphone bei 1,19 in 2005 und 1,73 in 2006 lag. Mit 2,92 in 2007 waren erste Tendenzen abzulesen, in 2008 war der Weg mit 3,99 recht klar. Auch in 2009 kletterte die Aktie nach oben und erreichte 4,68. Einen riesigen Sprung auf 11,27 erreichte die Aktie im Jahr 2010, einen weiteren in 2011, als die Aktie auf 20,59 kletterte. Prognosen zeigen, dass dieser Trend anhält: Für 2012 erwarten Experten Werte von 25,71, für 2013 werden 28,71 vorausgesagt und in 2014 prognostiziert man 31,62.

Wirtschaftliche Bedeutung des iPhones

Kaufen Anwender ein Smartphone, wird die daraus folgende Kette oft gar nicht klar; im Fachterminus spricht man von der Wertschöpfungskette. Welches Zubehör, welche Software und welche Möglichkeiten es für und mit dem iPhone gibt, lässt schon erahnen, wie diese Wertschöpfungskette ausfällt:

Entwickler, Designer, Programmierer – nur drei Bereiche, die der Konzern Apple selbst ausbauen musste, um 2007 sein Geschäftsfeld um die Mobilfunktechnologie zu erweitern. Interne und externe Mitarbeiter/Dienstleister wurden auch im Marketing gebraucht; personell und weiterführend in Bereichen wie der Zuliefererindustrie zog das iPhone also ein Plus nach sich. Besagte Zulieferer sind heute zu großen Teilen für Apple tätig; Foxconn oder auch Samsung, beispielsweise.

Siri in der neuesten iPhone-Generation, aber auch externe Applikationen (sogenannte „Apps“), die von Drittentwicklern kommen, sorgen für frischen Wind auf dem Entwicklermarkt. Auch Gaming-Hersteller, die vorher überwiegend auf PC-Technologie oder Spielkonsolen ausgelegt waren, entdecken Gewinnchancen im Mobilbereich. Ein gigantischer Markt entstand, der Bekanntheit und Umsatz zahlreicher Drittentwickler steigerte – sogar der Konkurrent Microsoft entwickelt erfolgreich Apps für das iPhone, die für die eigene Plattform, Windows Phone 7, teilweise später oder sogar gar nicht veröffentlicht werden.

Der Produktionsprozess endet in der Ausgangslogistik: Die iPhones müssen in den Handel, sodass die Logistikbranche angesichts der oben erwähnten Absatzzahlen einiges zu tun bekam. Marketing und Vertrieb sind und waren gefragt: Die Mobilfunkbetreiber und Apple selbst werben und vertreiben, was den Wettbewerb seit dem Ende des Exklusivvertriebsrechts der Deutschen Telekom im Sinne des Verbrauchers immens angekurbelt hat. Dem folgend, wurde zunächst bei Apple, später bei den Exklusivvertriebspartnern und mittlerweile bei zahlreichen Mobilfunkprovidern Kundenservices eingerichtet – erneut ein Plus für personelle Strukturen.

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