2012: Mit diesen Änderungen müssen Verbraucher rechnen

Neues Jahr, neues Glück? In finanzieller Hinsicht für 2012 sicher nicht, denn zahlreiche Neuerungen bedeuten für Verbraucher, dass der Gürtel enger geschnallt werden muss: Es wird ernst für die Rente mit 67 Jahren, Gas- und Strompreise werden erhöht und um die private Altersvorsorge steht es nicht gerade rosig. Aber auch einige Entlastungen erwarten den Verbraucher in 2012.

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Familie & Co.

Kindergeld

Zwar gibt es für 2012 keine Pläne für eine Kindergelderhöhung, allerdings gehen behördliche Erleichterungen aus dem Steuervereinfachungsgesetz 2011 hervor: Ab Januar 2012 ist es für das Kindergeld nicht mehr nötig, Erklärungen und Belege zum Einkommen des Kindes einzureichen. Aktuelle Regelungen sehen vor, dass Eltern und Kinder bei der Familienkasse nachzuweisen haben, dass das Kind nicht mehr als 8.004 Euro p. a. verdient. Ab 2012 muss lediglich nachgewiesen werden, dass das Kind neben der Berufsausbildung nicht mehr als 20 Stunden pro Woche erwerbstätig ist.

Kinderbetreuungskosten

Bislang ist das Beantragen des Kinderbetreuungsgeldes so geregelt, dass verschiedene Voraussetzungen nachgewiesen werden müssen, beispielsweise die Gebühren, die für Kindergarten oder Hort fällig werden. Selbige konnten nur dann berücksichtigt werden, wenn die Eltern berufstätig, in Ausbildung oder krank waren. Ausnahmeregelungen berücksichtigen Kinder im Alter von drei bis sechs Lebensjahren. Ab dem kommenden Jahr geht es auch hier unbürokratischer zu: Kinder werden generell bis zum 14. Lebensjahr berücksichtigt, was den Antrag deutlich erleichtert und mehr Eltern ermöglicht, Betreuungskosten steuerlich geltend zu machen.

Elterngeld

Allgemeine Informationen zum Elterngeld können Sie unserem Ratgeber entnehmen. Experten raten dazu, dass Eltern ihre Besteuerungsdaten genau prüfen, da sich die Steuerklasse aufs Elterngeld auswirkt und daraus folgend dazu führen kann, dass das Elterngeld im Jahr 2012 gekürzt wird. Da das Elterngeld auf Basis des vorigen Nettolohns berechnet wird, ist die möglichst günstigste Steuerklasse zu wählen. Zum anstehenden Jahreswechsel könnten die Daten fehlerhaft in die Steuerkarte eingetragen sein, da ein Wechsel zur elektronischen Steuerkarte zum Jahreswechsel angedacht war, nun aber aufgrund von technischen Problemen auf 2013 verschoben wurde.

Unterhalt

Beim Unterhalt für Kinder und Ex-Partner stehen keine Änderungen an: Die Düsseldorfer Tabelle vom 01.01.2011, die beim OLG Düsseldorf zum Download bereitsteht, bleibt erhalten.

Witwenrente

Im Rahmen der Änderungen zur Altersrente werden auch Witwenrenten angepasst: In Teilschritten werden zwischen 2012 bis 2029 die Altersgrenzen von 45 Jahren auf 47 Lebensjahre steigen. Dies betrifft alle Todesfälle ab Januar 2012.

Familienpflegezeit

Ab dem 01. Januar 2012 wird Beschäftigten die Möglichkeit gegeben, eine sogenannte „Familienpflegezeit“ zu nehmen, um im Zuge dessen ihre Arbeitszeit für höchstens zwei Jahre auf mindestens 15 Stunden pro Woche zu reduzieren. Dies muss durch den Arbeitgeber genehmigt werden, es gibt keinen Rechtsanspruch darauf. Voraussetzungen sind weiter, dass der zu pflegende Angehörige eine Pflegestufe hat und in der häuslichen Umgebung gepflegt wird.

Werden diese Voraussetzungen erfüllt, verpflichtet sich der Arbeitgeber dazu, den Teilzeitverdienst um die Hälfte der Differenz aufzustocken, die zwischen dem eigentlichen Gehalt und dem Teilzeitverdienst liegt. Am Ende der Familienpflegezeit, also nach maximal zwei Jahren, ist diese Differenz wieder auszugleichen: Das verminderte Entgelt bleibt, die Arbeitszeit wird wieder auf normal gesetzt. Als Beispiel: Ein Arbeitnehmer nimmt für zwei Jahre die Familienpflegezeit in Anspruch und arbeitet die Hälfte seiner eigentlichen Arbeitszeit. Sein Gehalt reduziert sich währenddessen auf 75 Prozent (halbe Arbeitszeit entspricht halbes Gehalt zzgl. 50 Prozent der Differenz zwischen Teilzeit- und Normalgehalt). In den zwei Jahren nach der Familienpflegezeit wird seine Arbeitszeit wieder auf Vollzeit umgestellt, sein Gehalt bleibt allerdings bei 75 Prozent, um die Differenz wieder auszugleichen.

Sowohl während der Familienpflegezeit als auch während der folgenden Nachpflegezeit, in der das reduzierte Entgelt gezahlt wird, darf der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer nicht kündigen. Vorsicht sollte während der Beantragung der Familienpflegezeit walten, denn währenddessen besteht der Kündigungsschutz noch nicht. Um die Familienpflegezeit zu beanspruchen, wird eine Familienpflegezeitversicherung vorausgesetzt, die das Ausfallrisiko bei Tod oder Berufsunfähigkeit abdeckt für den Arbeitgeber abdeckt.

Arbeit

Hartz IV

Mit dem 01. Januar 2012 ändern sich die Regelbedarfssätze der Grundsicherung für Arbeitssuchende wie folgt:

  • Alleinstehende und Alleinerziehende (Regelbedarfsstufe 1): 374,00 Euro
  • Zwei in einem Haushalt zusammenlebende Partner (Regelbedarfsstufe 2): 337,00 Euro
  • Erwachsene ohne eigenen und gemeinsamen Haushalt mit dem Partner (Regelbedarfsstufe 3): 299,00 Euro
  • Jugendliche zwischen 14 bis unter 18 Jahre (Regelbedarfsstufe 4): 287,00 Euro
  • Kinder zwischen 6 bis unter 14 Jahre (Regelbedarfsstufe 5): 251,00 Euro
  • Kinder zwischen 0 bis unter 6 Jahre (Regelbedarfsstufe 6): 219,00 Euro

Gründungszuschuss

Die Verkündung der Neuerung beim Gründungszuschuss wird zum 31.12.2011 erwartet und mit der Verkündung tritt die Änderung in Kraft: Der Gründungszuschuss wird durch eine Ermessensleistung ersetzt. Lag die Voraussetzung für die Förderung bislang bei mindestens 90 Tagen Arbeitslosengeldanspruch, wird dies auf 150 Tage erhöht. Bislang wurde innerhalb der ersten neun Monate neben dem Gründungszuschuss in Höhe vom zuletzt gezahlten Arbeitslosengeld zuzüglich 300,00 Euro als Sozialabsicherungspauschale geleistet, ab Verkündung reduziert sich das auf sechs Monate. Im Anschluss wurden die 300,00 Euro bislang sechs Monate geleistet, dies verlängert sich künftig auf neun Monate.

Kurzarbeitergeld

Mit dem Jahr 2011 endet auch die aufgrund der Wirtschaftskrise eingeführten Sonderregelung zum Kurzarbeitergeld.

Berufliche Weiterbildung

Aktuell bestehende Regelungen zur beruflichen Weiterbildung und ihre Förderungsmöglichkeiten werden zusammengefasst: Kleine und mittlere Unternehmen, die die Weiterbildung von älteren Beschäftigten übernehmen, erhalten die Möglichkeit einer anteiligen Übernahme von Weiterbildungskosten durch die Bundesagentur für Arbeit. Diese Weiterbildungsförderung ist auf drei Jahre befristet und wird auch für Angestellte unter 45 Jahren gestattet, wobei der Arbeitgeber mindestens fünfzig Prozent der Kosten zu tragen hat.

Lohnuntergrenze für Zeitarbeit

Erstmalig eingeführt und ebenfalls mit dem 01. Januar 2012 gültig, ist eine verbindliche Lohnuntergrenze für die Entlohnung im Rahmen der Zeitarbeit. Die Verordnung ist bis zum 31. Oktober 2013 befristet und steigt schrittweise wie folgt: Die neuen Bundesländer einschließlich Berlin führen eine Untergrenze von 7,01 Euro ein, die am 01. November 2012 auf 7,50 Euro steigt. In den alten Bundesländern beträgt der Satz vorerst 7,89 Euro, ab November dann 8,19 Euro.

Werbungskosten

Im Rahmen der in diesem Jahr beschlossenen Steuervereinfachung wird es ab 2012 weniger Aufwand für die Steuererklärung geben: Die Werbungskostenpauschale war bislang so geregelt, dass sämtliche Kosten nachzuweisen waren, sprich: Belege für solche Kosten sammeln und einreichen, die einen klaren beruflichen Nutzen, deutlich getrennt vom privaten Vorteil, war nötig. Ab dem kommenden Jahr wird eine Werbungskostenpauschale von 1.000,00 Euro (bisher: 920,00 Euro) eingeführt. Bedeutet: Einzelnachweise zum Geltend-machen der Werbungskosten entfallen. Alle Kosten, die über 1.000,00 Euro hinausgehen, sind weiterhin zu quittieren.

Pendlerpauschale

Ebenfalls im Rahmen der Steuervereinfachung soll auch da Geltend-machen der Pendlerpauschale einfacher werden: Aufzeichnungen werden unnötig, auf Nachweise von jenen, die mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, wird ab 2012 verzichtet. War bislang eine Vergleichsrechnung zwischen Pendlerpauschale und den Kosten für den öffentlichen Verkehr nötig, wird sich die Vergleichsrechnung künftig nur noch aufs Jahr beziehen. Übersteigen die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel die Entfernungspauschale pro Kalenderjahr, also 4.500,00 Euro, müssen die Belege eingereicht werden.

Sozialabgaben

Bundeseinheitlich steigt die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung von derzeit 3.712,50 Euro auf 3.825,00 Euro pro Monat. Dies entspricht einem Jahreseinkommen von 45.900,00 Euro. Alle Verdienstanteile, die darüber hinausgehen, bleiben beitragsfrei. Ebenfalls gestiegen ist die Versicherungspflichtgrenze; Beschäftigte mit einem darunter liegenden Gehalt müssen sich gesetzlich krankenversichern: Aktuell werden 4.125,00 Euro monatlich beziehungsweise 49.500,00 Euro jährlich für den Eintritt in die PKV vorausgesetzt, ab 2012 sind es 4.237,50 Euro monatlich beziehungsweise 50.850,00 Euro jährlich.

Altersvorsorge

Gesetzliche Rente

Ab dem 01. Januar 2012 beträgt der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung 19,6 Prozent für die allgemeine Rentenversicherung, 26,0 Prozent für die knappschaftliche Rentenversicherung.

Weiter startet die Rente mit 67 schrittweise: Betroffen sind alle, die im Jahr 1947 oder später geboren sind. In 1947 Geborene müssen eine Erhöhung der Regelaltersgrenze um einen Monat hinnehmen, für jeden folgenden Geburtenjahrgang steigt die Regelaltersgrenze um je einen weiteren Monat. Zwei-Monatsschritte pro Jahrgang folgen später. Für jene, die 1964 oder später geboren sind, tritt dann die Regelaltersgrenze von 67 Jahren ein.

Dies wirkt sich auch auf weitere Rentenarten aus: Langjährig Versicherte (mind. 35 Versicherungsjahre) können weiterhin frühestens mit 63 Jahren in Rente gehen. Für diese erhöht sich allerdings die Altersgrenze für den abschlagsfreien Bezug ihrer Altersrente schrittweise: Bisher liegt der mögliche Abschlag bei maximal 7,2 Prozent. Für jeden Monat der Anhebung erhöht sich der Abschlag auf die Regelaltersrente um 0,3 Prozent. Heißt: Versicherungsnehmer, die im Januar 1949 geboren sind, erhebt sich die Altersgrenze um einen Monat, für im Februar 1949 Geborene um zwei Monate und für zwischen März und Dezember Geborene um drei Monate.

Neu eingeführt wird mit dem 01. Januar 2012 die Altersrente für besonders langjährig Versicherte, was mindestens 45 Jahre Zahlungen der Pflichtbeiträge voraussetzt. Diese Gruppe kann weiterhin mit 65 Jahren in Rente gehen, ohne mit Abschlägen rechnen zu müssen.

Betriebsrente

Die Änderungen der gesetzlichen Rentenversicherung wirken sich auch auf die betriebliche Altersvorsorge (bAV) aus: War es bislang so geregelt, dass die bAV frühestens ab Vollendung des 60. Lebensjahres gewährt wurde, wenn sie steuerlich anerkannt werden sollte, gilt ab Januar das vollendete 62. Lebensjahr dafür. In der bAV kamen bislang geschlechtsspezifische Tarife zum Tragen; ab dem 22. Dezember 2012 sind allerdings geschlechtsneutrale Prämien und Leistungen in den Policen anzuwenden.

Private Altersvorsorge

Weiter trifft das erhöhte Renteneintrittsalter den Bereich der privaten Altersvorsorge; ähnlich wie bei der bAV: Werden Riester-Verträge ab 2012 abgeschlossen, gilt das 62. Lebensjahr als Auszahlungstermin, wenn weder steuerliche Vorteile noch staatliche Förderungen verloren gehen sollen. Im Weiteren wird zum 01. Januar 2012 der Mindestzinssatz gesenkt: Er gilt für über die komplette Vertragslaufzeit, trifft also auch ausschließlich Verträge, die ab dem kommenden Jahr abgeschlossen werden. Derzeit beträgt der Mindestzinssatz 2,25 Prozent, künftig nur noch 1,75 Prozent.

Um zulagenberechtigt zu sein, wird ab 2012 ein einheitlich gültiger Mindestsparbeitrag von 60,00 Euro fällig – und zwar für alle, die von der Förderung profitieren wollen. Aktuell ist es so geregelt, dass nicht förderungsberechtigte Ehepartner einen sogenannten Nullvertrag führen, also keinen eigenen Beitrag einzahlen müssen, wenn der Ehegatte, der förderungsberechtigt ist, seinen Beitrag geleistet hat. Künftig werden beide Ehepartner mindestens 60 Euro einzahlen müssen. Das hat den Hintergrund, dem schleichenden Übergang von mittelbarer zur unmittelbaren Zulagenberechtigung nachzukommen, also sicherzustellen, dass die erforderlichen Mindesteinlagen geleistet wurden.

Das Renteneintrittsalter trifft auch die Rürup-Rente; das Pendant der Riester-Rente für Selbstständige. Die steuerliche Entlastung wendet sich für Rürup-Sparer zum Positiven: Anstelle der bisherigen 72 Prozent können ab 2012 74 Prozent der eingezahlten Beträge als steuerlicher Sonderausgabenabzug geltend gemacht werden. Voraussetzung dafür ist, dass der Sparer den maximal geförderten Beitrag von 20.000,00 Euro p. a. einzahlt. Verheiratete können das Doppelte, maximal aber 29.600,00 Euro geltend machen.

Gesundheit

Lebensversicherungen

Angelehnt an die Senkungen des europäischen Leitzinssatzes im Rahmen der Finanzkrise werden auch Lebensversicherungsgesellschaften ihre Zinssätze nach unten korrigieren. Im Verhältnis zum Leitzins fallen die Senkungen der Überschussbeteiligungen in 2012 allerdings recht human aus: Die Allianz beispielsweise senkt von derzeit 4,1 auf 4,0 Prozent, die AXA oder die Alte Leipziger senken ebenfalls sehr gering, bei der Inter Lebensversicherung AG bleibt alles beim Alten. Die Garantiezinssenkung von 2,25 auf 1,75 Prozent hingegen trifft sämtliche Lebensversicherungsverträge.

Zahnarztkosten

Kronen, Brücken und Prothesen beim Zahnarzt fordern ab 2012 höhere Zuzahlungen seitens gesetzlich Krankenversicherter: Die Krankenkassen übernehmen lediglich die sogenannten Regelversorgungen, alles Weitere muss der Patient gemäß der neuen Gebührenordnung zahlen. Privatpatienten zahlen ausschließlich nach dieser Gebührenordnung; was davon die PKV übernimmt, ist individuell im jeweiligen Tarif geregelt. Bis Ende 2011 übernehmen die gesetzlichen Versicherungen 100 Prozent der Regelversorgung, wenn der Versicherte unter 1.022,00 Euro/Monat brutto verdient, ab 2012 erhöht sich dieser Satz auf 1.050,00 Euro.

Haus & Auto

TÜV-Plakette und PKW-Typenklassen

An eine TÜV-Plakette zu kommen, wird teurer: Aufgrund eines aufwendigeren Prüfverfahrens wird ein Aufschlag von 20 Prozent erwartet. Ab April 2012 müssen Kfz-Hauptuntersuchungen mit einer Probefahrt beginnen, um Assistenzsysteme zu kontrollieren, weiter wird der Mängelnachweis exakter.

Wie in jedem Jahr werden auch in 2012 neue PKW-Typen klassifiziert; rund ein Drittel der Kfz-Modelle ind er Voll- und Teilkasko sind betroffen. Dieser Neukalkulation liegt die Schaden- und Unfallbilanz der unterschiedlichen Modelle zugrunde: Je schlechter diese ausfällt, umso teurer wird die Versicherung für das Modell.

Nachrüstungen Rußpartikelfilter

Fahrzeughalter älterer Dieselfahrzeuge werden ab 2012 mehr gefördert: Einen Zuschuss von 330 Euro zahlt der Staat für die Investition ins umweltfreundlichere Fahren, außerdem gibt es eine vorteilhaftere Umweltzonen-Plakette. In Berlin und Hannover dürfen mittlerweile schon keine Autos mit gelber Plakette in den Innenbereich, ab kommendem Jahr wird das auf Stuttgart, Frankfurt am Main oder auch Osnabrück ausgedehnt, ab Oktober 2012 auch auf München. Mit der grünen Plakette steigt der Wiederverkaufswert des Fahrzeugs, sodass Experten durchaus dazu raten. Ab Februar 2012 kann der Antrag auf Förderung frühestens gestellt werden – eine nachträgliche Förderung für Autos, die 2011 umgerüstet wurden, ist allerdings nicht vorgesehen.

Gas und Strom

Die Gas- und Strompreise sollen 2012 auf ein neues Rekordhoch klettern: 285 Energieanbieter ändern zwischen Januar und Februar 2012 ihre insgesamt 1.860 Stromtarife. Die Preise dieser Anbieter werden im Schnitt um 5,7 Prozent steigen – weitere 58 Versorger planen Preisänderungen, machten aber noch keine konkreten Angaben. Die Gaspreise schießen im Schnitt um acht Prozent hinauf, ebenfalls im Januar und Februar und betroffen sind 816 Tarife von 103 Anbietern.

Solarförderungen

Entscheiden sich Eigenheimbesitzer für eine Fotovoltaikanlage, die ab dem 01. Januar 2012 ans Netz angeschlossen wird, beträgt die Einspeisevergütung nur noch 24,43 Cent je Kilowattstunde – und fällt damit um 15 Prozent zurück.

Vermietung, Grunderwerbsteuer und Mietrecht-Reform

Eigentümer, die ab 2012 Wohnungen an Verwandte vermieten und die Immobilie voll steuerlich geltend machen wollen, müssen mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete verlangen. Aktuell liegt der Satz bei 56 Prozent. Künftig wird allerdings auf eine Wirtschaftlichkeitsberechnung verzichtet, sodass es auch hier Bürokratie-Einsparungen gibt.

Ab 01. Januar beziehungsweise 01. März 2012 erhöhen mit Schleswig-Holstein beziehungsweise Rheinland-Pfalz zwei weitere Bundesländer die Grunderwerbssteuer auf 3,5 Prozent.

Für 2012 wird eine Mietrecht-Reform erwartet, deren Ausarbeitung allerdings noch in Arbeit ist. Pläne des Justizministeriums aus dem Oktober 2011 zeigen auf, dass Mietern binnen drei Monaten kein mietminderungsrecht mehr eingeräumt wird, wenn das Gebäude vom Vermieter energetisch saniert wird und Energie-/Wasserverbrauchseinsparungen die Folge sind. Hinzu kommt, dass Vermietern die Zwangsräumung erleichtert werden soll und bei Nichtzahlung der Kaution eine fristlose Kündigung geltend gemacht werden kann.

Finanzen

Pfändungsschutzkonten (P-Konto)

Mit dem Beginn des kommenden Jahres werden sogenannte P-Konten (Pfändungsschutzkonto) eingeführt: Guthaben von 1.028,89 Euro ist auf einem solchen Konto ist vor Pfändungen geschützt. Damit macht der Gesetzgeber den bislang nötigen Gerichtsbeschluss auf Pfändungsschutz unnötig. Das bedeutet im Umkehrschluss: Guthaben auf gängigen Girokonten kann nicht mehr vor Pfändung geschützt werden! Schuldner müssen ab 2012 ihr Girokonto in ein P-Konto umwandeln, um ihr Existenzminimum schützen zu können.

Der oben erwähnte Schutzbetrag bezieht sich immer auf einen Kalendermonat und gilt jeden Monat neu. Der Betrag erhöht sich, wenn der Kontoinhaber den Betrag oder Teile davon im Vormonat nicht angetastet hat (Beispiel: Der Schuldner hat im Januar vom Schutzbetrag 200,00 Euro nicht gebraucht, also beträgt der Schutzbetrag im Februar 1.228,89 Euro). Weiter erhöht sich dieser Schutzbetrag für Unterhaltspflichtige um 387,22 Euro auf 1.1416,11 Euro für Ehegatten oder ein Kind, für jeden weiteren, für den Unterhalt zu leisten ist, um weitere 215,73 Euro. Dafür sind der Bank die Unterhaltsverpflichtungen nachzuweisen. Mit einem Bescheid der Familiengeldkasse ist es außerdem möglich, das Kindergeld vor Pfändungen zu schützen, werden Sozialleistungen empfangen, kann sich der Schutzbetrag ebenfalls erhöhen.

Das P-Konto kann von jedem Schuldner eingerichtet werden und Banken sind verpflichtet, das Girokonto binnen vier Geschäftstagen umzuwandeln. Schuldner stellen dafür einen Antrag bei der Bank; das Umwandeln des Girokontos verursacht keine Kosten. Gemeinschaftskonten sind ausgeschlossen. Schuldner haben Anspruch darauf, bestehende Girokonten in ein P-Konto umwandeln zu lassen, nicht aber darauf, ein P-Konto einrichten zu lassen (was das Eröffnen eines Girokontos voraussetzt, da P-Konten nur auf Antrag umgewandelt werden können). Die Kontoführung verursacht Kosten, die nicht zu knapp bemessen sind: 10 Euro und mehr verlangen die Banken pro Monat. Weiterführende Infos zum P-Konto gibt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Etliche Neuerungen in 2012: Fazit

Bürokratische Vereinfachungen bei zahlreichen steuerrelevanten Themen werden Verbraucher zu schätzen wissen. Steuerzahler werden ebenfalls Vorteile erfahren – sie werden finanziell deutlich entlastet. Ob das die steigenden Arzt-, Strom- und Gaskosten ausgleichen wird, ist hingegen fraglich. Insgesamt werden die meisten Verbraucher mit finanziellen Einbußen rechnen müssen.

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