BAföG

Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) ermöglicht jungen Schülern und Studenten Chancengleichheit, um unabhängig von sozialen und wirtschaftlichen Hintergründen bei der Finanzierung eines Bildungsweges unterstützt zu werden. Es handelt sich demnach um eine staatliche Sozialleistung. In diesem ausführlichen Artikel geben wir einen umfassenden Einblick in das Thema BAföG und klären häufig gestellte Fragen.

BAföG schafft Chancengleichheit in der Bildung (Foto: flickr.com/scui3asteveo)
BAföG schafft Chancengleichheit in der Bildung (Foto: flickr.com/scui3asteveo)

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Kosten eines Studiums

Zwischen 562 bis 1085 Euro benötigt ein Student im Durchschnitt monatlich:

Quelle: 19. Sozialerhebung

Fazit

Man kann feststellen, dass

  • sozial schwächer gestellte Studierende eher auf die Förderung nach dem BAföG angewiesen sind,

  • Studierende aus niedrigerem wirtschaftlichem Background allerdings selten die Sicherheit verspüren, ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können,
  • mit der Sicherheit, den Lebensunterhalt zu bestreiten, auch der Studienabschluss erreichbarer ist,
  • mit einem Studienabschluss Berufe ergriffen werden können, die hohe Einnahmen sichern, so einen hohen finanziellen, sozialen und wirtschaftlichen Standard schaffen und einer nächsten Generation einen höheren Zugang zu Bildung vermachen (Abb. 4).

Abb. 4: Bruttojahresverdienst-Übersicht aus 2006
Quelle: Statistisches Bundesamt

Bildung muss jedem zugänglich sein

Die Förderung durch das BAföG beinhaltet den Grundsatz, Bildung jedem zugänglich zu machen – ungeachtet seiner gesellschaftlichen, sozialen oder wirtschaftlichen Stellung, wie das Sozialgesetzbuch (SGB 1) im § 3 vorschreibt. Im BAföG wird festgestellt, dass eine gute Ausbildung die Basis für beruflichen Erfolg darstellt. Weiterführend lässt sich ableiten:

  • Eine bewilligte Förderung gemäß dem BAföG vergrößert die Möglichkeit, sich auf die Ausbildung zu fokussieren.

  • Wenngleich das Ziel, eine Ausbildung komplett ohne die Aufnahme eines Nebenerwerbs zu erreichen, selten erfüllt werden kann (s. Abb. 1, Abschnitt Ziele des BAföG), gibt die Förderung nach dem BAföG dennoch die Sicherheit, die Ausbildung finanziell zu bewältigen (s. Abb. 3, Abschnitt Ziele des BAföG).
  • Insgesamt wird das Bildungs-/Ausbildungsziel mit der Förderung nach dem BAföG schneller erreicht, was insbesondere in sozial und wirtschaftlich schwächer gestellten Familien von großer Bedeutung ist.

23. Gesetz zur Änderung des BAföG

Gesetz zur Änderung des BAföG

(Foto: eigen)

Insgesamt verschafft das 23. Gesetz zur Änderung des BAföG positive Neuerungen: Zum einen erhöht sich der Förderungsbetrag, zum anderen wurde der Kreis jener, die förderungsberechtigt sind, erweitert. Die ursprüngliche Fassung des BAföG stammt vom 26. August 1971, erstes Inkrafttreten des Gesetzes war der 01. September 1971. Die letzte Änderung wurde am 21. Juni 2011 vom Bundesverfassungsgericht abgesegnet und trat am 21. Juni 2011 in Kraft.

Pauschale Zuschläge und Neuerungen

Wie in obiger Tabelle der Punkt „Eltern in Ausbildung“ beispielhaft zeigt, sind Sozialpauschalen aktualisiert worden. Darunter fallen auch Mietkostenzuschläge, für die nun keine besonderen Nachweise mehr nötig sind.

Änderungen in der Auslandsförderung für Schüler fallen zugunsten des Antragstellers aus, sind aber im Einzelfall zu entscheiden und deshalb an dieser Stelle nicht pauschal aufführbar. Allgemein gilt allerdings, dass es die Förderung nach dem BAföG nicht mehr voraussetzt, ausreichende Kenntnisse in der Unterrichts- und Landessprache (gesondert) nachweisen zu müssen.

Für Masterstudiengänge, die nach dem BAföG gefördert werden sollen, wurde die Altersgrenze von 30 Jahren auf 35 Jahre (Ausbildungsaufnahme) heraufgesetzt. Erziehen Auszubildende eigene Kinder unter 10 Jahren und sind nur begrenzt erwerbstätig, verschiebt sich diese Altersgrenze bis zu dem Zeitpunkt, an dem die im Haushalt lebenden Kinder das 10. Lebensjahr vollenden.

Leistungsnachweise zum Erhalt der Förderungen werden im Gesamten unbürokratischer. Das betrifft unter anderem die nach dem Europäischen System zur Anrechnung von Studienleistungen (ECTS) Leistungspunkte: Der Nachweis erfolgt nach der Gesetzesneuerung über die übliche Zahl von ECTS-Leistungspunkten.

Bei einem erstmaligen Fachrichtungswechsel bleibt es während der bewilligten Förderungshöchstdauer bei der Normalförderung (halb Zuschuss, halb zinsloses Darlehen). Vormals wurde ein Teil des neuen Studiengangs nur noch über ein Bankdarlehen gefördert.

Anspruch auf BAföG

Anspruch auf BAföG

(Bild: flickr.com/thealieness)

Gemäß des Grundsatzes der Förderung nach dem BAföG besteht Anspruch auf selbige für jeden, der die für seine Ausbildung notwendigen finanziellen Mittel sowie die für das Bestreiten seines Lebensunterhalts nötigen Gelder nicht selbst aufbringen kann. Allerdings ist dieser recht allgemein gehaltene Grundsatz an diverse Bedingungen geknüpft. Wann genau ein Anspruch auf die Förderung gemäß BAföG hat, klären die folgenden Abschnitte.

Eignung (§ 9 BAföG)

Die Leistungen des Auszubildenden, der gefördert werden soll, müssen erwarten lassen, dass die zu fördernde Person ihr Ausbildungsziel auch erreichen kann. Das ist der Fall, wenn

  • der Auszubildende seine Ausbildungsstätte besucht,
  • an einem Praktikum teilnimmt und
  • die nötigen Studienfortschritte aufweisen kann.

Der letzte Punkt ergibt sich aus der Ausbildungs- und Prüfungsordnung der jeweiligen Fach-, Hochschule oder Akademie. Die in § 48 BAföG festgelegten Auskunftspflichten fassen solche Leistungsnachweise zusammen.

Antragstellung

Antragstellung für das BAföG

(Bild: flickr.com/sterlic)

Für ihr Studium, ihre schulische Ausbildung und für Praktika, jeweils fürs In- und Ausland, beantragen Interessenten das BAföG beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung. Eine Linkliste mit den für jedes Bundesland zuständigen Ämtern findet sich unter 2. Aufgaben des BAföG/2.2. Zuständigkeit. Hochschulstudenten wenden sich in der Regel ans zum Studentenwerk der jeweiligen Hochschule gehörende Amt, Antragsteller, die Abendgymnasien, Kollegs oder Höhere Fachschulen und Akademien besuchen, finden die Ämter für Ausbildungsförderung bei der Stadt oder dem Landkreis, in dem die Ausbildungsstätte liegt. Schüler finden das zuständige Amt für Ausbildungsförderung in dem Bezirk, in dem die Eltern ihren ständigen Wohnsitz haben. Gibt es abweichende Zuständigkeiten, geben die erwähnten Behörden gerne Auskunft übers nächstgelegene Amt.

Antragstellung für Ausbildungsförderung außerhalb der Bundesrepublik

Um für eine Ausbildung außerhalb der Bundesrepublik BAföG zu erhalten, stehen 17 Auslandsämter bereit, die sich die Zuständigkeit nach Ländern aufgeteilt haben:

Förderungsarten (§ 17 BAföG)

Der sogenannte Vollzuschuss meint jene Förderung nach dem BAföG, die nicht zurückgezahlt werden muss. Sie ist Schülern vorbehalten. Studenten, die ihre Ausbildung an Höheren Fachschulen, Akademien oder Hochschulen nach dem BAföG fördern lassen wollen, sowie Praktikanten, deren Ausbildung im Zusammenhang mit den Ausbildungsstätten steht, erhalten eine 50:50-Mischung aus Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss, und zinslosem Darlehen. Für diesen Anteil, der zurückzuzahlen ist, nimmt der Staat in die Rolle des Darlehensgebers ein, wobei Ausbildungsabschnitte mit Start ab 01. März 2001 bis zu einer Gesamtsumme von 10.000 Euro zurückzuzahlen sind. Aus dieser Summe ausgenommen sind:

  • Zuschläge für nachweisbar notwendige Studiengebühren,

  • Ausbildungsförderungen, die über die Förderungshöchstdauer hinaus geleistet werden,
  • Kinderbetreuungszuschläge.

In voller Höhe werden davon abweichend bezuschusst:

  • Auslandsstudiengebühren für ein Jahr,
  • Ausbildungsförderungen, die aufgrund von Behinderungen, Schwangerschaften sowie Pflege und Erziehung von Kindern bis zu zehn Jahre über die Förderungshöchstdauer hinausgehen,
  • Kinderbetreuungszuschläge, wenn Auszubildende mit mindestens einem Kind von bis zu zehn Lebensjahren in einem Haushalt leben.

Förderungsverlängerung

Gemäß § 15 Abs. 3 Nr. 5 BAföG besteht im Falle einer zeitlichen Belastung durch Schwangerschaft und Kindeserziehung die Option auf eine Förderungsverlängerung. Der Gesetzgeber gestattet eine Förderung über die Förderungshöchstdauer, die beim nicht vollendeten zehnten Lebensjahr des Kindes liegt, in „angemessener Zeit“. Als angemessen werden folgende Zeiträume für Förderungsverlängerung aufgrund von Schwangerschaft oder Kindespflege angesehen:

  • Schwangerschaft: Ein Semester

     

  • Bis zum fünften vollendeten Lebensjahr: Ein Semester je Lebensjahr (also bis zu fünf Semester)
  • Ab dem sechsten bis zum zehnten Lebensjahr: Ein Semester im sechsten/siebten und ein weiteres Semester im achten bis zehnten Lebensjahr des Kindes
  • Achtung: Bei gleichzeitiger Betreuung mehrerer Kinder ist die Förderungsvergünstigung auf die Dauer eines Semesters beschränkt.

Das zuständige Amt für Ausbildungsförderung klärt für jeden Einzelfall ab, ob die Voraussetzung (Schwangerschaft, Kindespflege oder –erziehung müssen ursächlich sein) für die Studienzeitverlängerung und daraus folgender Förderungsverlängerung gegeben ist. Die Verlängerungszeiten lassen sich auf beide studierende Elternteile aufteilen, wobei dann bei Beantragung eine Erklärung einzureichen ist, wie die Eltern die Kindesbetreuung aufteilen. Die Förderungsgelder, die im Rahmen dieser Verlängerungen gezahlt werden, gelten als voller Zuschuss, müssen also nicht zurückgezahlt werden.

Bedarfssätze

Neben den unter „3. 23. Gesetz zur Änderung des BAföG/3.1. Erhöhung der Bedarfssätze“ beschriebenen Pauschalen zählt auch das finanzielle Umfeld eines Auszubildenden zu den Voraussetzungen, die in die Entscheidung über die Bewilligung der Förderung nach dem BAföG einfließen. Bedeutet: Reichen eigene finanzielle Mittel, die des Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartners oder die der Eltern für das Bestreiten des Lebensunterhalts aus, wird die Förderung nicht bewilligt. Basierend auf § 12 und § 13 BAföG liegt der BAföG-Kalkulation der sogenannte abstrakte Bedarf zugrunde: Nicht die tatsächlich anfallenden, individuellen Kosten (= konkreter Bedarf) werden herangezogen, da dies einen unbeschreiblichen bürokratischen Mehraufwand bedeuten würde, sondern jene Geldsumme, die sich der Gesetzgeber typischerweise für das Bestreiten des Lebensunterhalts und die Ausbildung vorstellt. Diese sind unter „1. Ziele des BAföG/1.1. Kosten eines Studiums“ nachvollziehbar.

Erläuterungen zur Übersicht:

  • Kinderbetreuungszuschläge sind nicht berücksichtigt.
  • Bei Unterbringung im Internat gelten gesonderte Bedingungen, die beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung erfragt werden können.
  • Praktikanten richten sich nach dem Bedarfssatz der Ausbildung, die mit ihrem Praktikum zusammenhängt.
  • Der KV-/PV-Zuschlag setzt sich aus 62 Euro für die Kranken-, 11 Euro für die Pflegeversicherung zusammen. Er gilt nur für Auszubildende, die der Versicherungspflicht (gesetzliche oder private Krankenversicherung) unterliegen, also nicht familienversichert sind.
  • Der Förderungshöchstsatz von 670 Euro ist erreicht, wenn Studierende auswärts wohnen. Mit einem Kind unter zehn Jahren im eigenen Haushalt erhöht er sich auf 783 Euro.

Anrechnung des Einkommens

Details über das Anrechnen des Einkommens finden sich in den §§ 21, 22 und 24 BAföG. Einkommen im Sinne des BAföG bedeutet:

Einkommen- und Kirchensteuer, pauschalierte Beträge für soziale Absicherung, darunter Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung, sowie der sogenannte Altersentlastungsbetrag[1] sind vom Einkommen heraus zu rechnen. Weiter lässt sich selbstgenutzter Wohneigentum gemäß Einkommensteuergesetz (EStG) als Sonderausgabe abziehen, ebenso geförderte Altersvorsorgebeiträge (beispielsweise Riesterrente, § 82 EStG) im Rahmen des Mindesteigenbeitrags nach § 86 EStG.

Dem Einkommen werden Einnahmen hinzugerechnet, die die Leistungsfähigkeit des Einkommensbeziehers erhöhen, aber nicht nach deutschem Recht zu versteuern sind (§ 21 Abs. 2a und 3 BAföG).

Um die Höhe der Förderung gemäß BAföG kalkulieren zu können, wird das im Bewilligungszeitraum vom Auszubildenden erzielte Einkommen zugrunde gelegt. Bei der Berechnung der Einkommen vom Ehe-/Lebenspartner und den Eltern zählt hingegen das Einkommen des vorletzten Kalenderjahres vor Bewilligungsbeginn[2]. Unterscheidet sich dieses vom aktuellen Einkommen extrem, etwa durch Arbeitslosigkeit oder Ruhestand, lässt sich ein Aktualisierungsantrag stellen und das aktuelle Einkommen wird zugrunde gelegt. Es lohnt sich in diesem Fall, sich vom zuständigen Amt für Ausbildungsförderung beraten zu lassen, denn das BAföG wird unter Vorbehalt der Rückforderung geleistet. Erst, wenn das tatsächlich erzielte Einkommen festgestellt werden kann, kann der Förderungsanspruch erfolgen[3].

[1] Der Altersentlastungsbetrag gehört zu den Steuerfreibeträgen, findet also ausschließlich bei steuerpflichtigen Personen Anwendung. Gemäß § 24a EStG wird er Steuerpflichtigen ab dem 64. vollendeten Lebensjahr mit Beginn des Kalenderjahres gewährt, für das die Ermittlung des zu versteuernden Einkommens ansteht.

[2] Im BAföG geht man von gleichbleibenden Einkommensverhältnissen aus, sodass die Einkommensermittlung zur Bürokratiesenkung an Steuerbescheide anknüpft.

[3] Stellt sich heraus, dassdas in der Einkommensprognose angegebene Einkommen übertroffen wurde, entsteht gemäß § 20 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 BAföG ein Rückzahlungsanspruch gegenüber dem Auszubildenden.

Freibeträge des Auszubildenden

In Abhängigkeit der Ausbildungsart und der familiären Situation wird der Freibetrag des Auszubildenden kalkuliert. Grundsätzlich bleiben für Auszubildende 255 Euro pro Monat anrechnungsfrei. Für Ehegatten/eingetragene Lebenspartner kommen 535 Euro, für eigene Kinder jeweils 485 Euro monatlich hinzu[1]. Ein verheirateter Auszubildender mit einem Kind behält monatlich also 1.275 Euro als anrechnungsfreien Betrag. Diesen Freibeträgen ist das Einkommen dieser Personen abzuziehen.

Auch Waisenrente/-geld sind zu berücksichtigen: Auszubildenden in Berufsfachschulen/Fachschulklassen, deren Besuch keine abgeschlossene Ausbildung voraussetzt, verbleiben monatlich 170 Euro, für andere Auszubildende 125 Euro als Freibetrag.

Einkommen aus Pflichtpraktika oder dem Ausbildungsverhältnis des Antragstellers sowie Ausbildungsbeihilfen oder dergleichen, Förderungsleistungen ausländischer Staaten und Unterhaltsleistungen, die von dauernd getrennt lebenden oder geschiedenen Ehegatten/Lebenspartnern stammen, werden ohne Freibetrag komplett auf den Bedarf angerechnet. Wie Einkünfte aus Ferien- oder Nebenjobs angerechnet werden, stellt sich am besten in einer Beispielrechnung dar:

Als Grundlage dient das Bruttoeinkommen des Bewilligungszeitraums. BAföG wird in der Regel über 12 Monate gewährt; zwei Monate vor Ablauf ist ein Nachfolgeantrag zu stellen. Ein Beispielauszubildender verdient in 12 Monaten 3.600 Euro brutto, dem eine Werbungskostenpauschale von 920 Euro als Pauschale sowie eine Sozialpauschale von 21,3 Prozent abzuziehen sind. Es verbleiben 2.109,16 Euro, die nun auf den Monat herunter zu rechnen sind: 175,76 Euro ergeben sich.

Da der Gesetzgeber Minijobs mit einem Bruttoeinkommen von bis zu 400 Euro pro Monat beziehungsweise 4.800 Euro pro Jahr als anrechnungsfrei vorgibt, wären in der Beispielrechnung keine Konsequenzen zu befürchten – die Förderungshöhe wäre nicht beeinflusst. Allerdings gilt dies ausschließlich für 400 Euro-Minijobs. Außerhalb einer geringfügigen Beschäftigung darf das Gesamteinkommen des Auszubildenden monatlich nicht höher als 365 Euro sein, was mit der Familien-Krankenversicherung erklärt wird. Weiter gilt es, Kindergeldzahlungen zu berücksichtigen: Kindergeld wird bis zu einer Einkommenshöchstgrenze von 8.004 Euro pro Jahr gezahlt.

Sind eigene Einkünfte inklusive dem Zuschussanteil der Förderung nach BAföG und Bezüge des Kindes höher als dieser Betrag, verfällt der Anspruch aufs Kindergeld.

Einkommenssteuerpflichtige begabungs- und leistungsabhängige Stipendien sind bis zu einem Monatsdurchschnitt von 300 Euro anrechnungsfrei. Stipendien gelten grundsätzlich als Einkommen. Falls ihre Zweckbestimmung einer Bedarfsanrechnung nicht entgegensteht, sind sie dem Einkommen allerdings anzurechnen, wobei Einkommensfreibeträge berücksichtigt werden. Die Sonderregelungen, die gelten, wenn die Gelder ganz oder teilweise aus öffentlichen Mitteln stammen oder steuerpflichtig sind, sind mit dem zuständigen Amt für Ausbildungsförderung abzuklären.

[1] Nur abziehbar, wenn genannte Personen nicht selbst nach dem BAföG gefördert werden.

Einkommen der Eltern

Dass das elterliche Einkommen nur in Ausnahmefällen nicht angerechnet wird, ist in § 11 Abs. 2a, 3 BAföG festgeschrieben. Trifft eine der folgenden Situationen zu, werden nur Einkommen und Vermögen des Auszubildenden selbst sowie das Einkommen etwaiger Lebens-/Ehepartner angerechnet:

  • Der elterliche Aufenthaltsort ist unbekannt
  • Die Eltern leben im Ausland und sie sind daran gehindert, Unterhalt im Inland zu leisten
  • Die Ausbildungsförderung wird für die Ausbildung im Abendgymnasium oder Kolleg geleistet
  • Der Auszubildende hat das 30. Lebensjahr bereits vollendet
  • Der Auszubildende war nach Vollendung des 18. Lebensjahres bereits fünf Jahre erwerbstätig[1]
  • Der Auszubildende hat mindestens eine dreijährige berufsqualifizierende Ausbildung absolviert und war anschließend mindestens drei Jahre berufstätig (Kompensation einer kürzeren Ausbildung durch längere Erwerbstätigkeit möglich; insgesamt zählen sechs Jahre, der umgekehrte Fall, also Kompensation der Erwerbstätigkeit durch Ausbildung, ist nicht möglich)[1]

[1] Während der Erwerbstätigkeit muss der Ertrag daraus gereicht haben, um sich selbst zu unterhalten. Zu dieser Erwerbstätigkeit zählen auch Wehr- und Zivildienst.

Förderungsdauer

In folgender Tabelle wird die Förderungsdauer, deren Grundlage § 15 BAföG bildet, geklärt:

[1] Leistungsnachweise können sein: Zwischenprüfungszeugnis nach Ende des dritten und vor Ende des vierten Fachsemesters, 48-Bescheinigung (ab dem vierten Fachsemester; Bescheinigung der Ausbildungsstätte darüber, dass die üblichen Leistungen erreicht wurden) oder ECTS-Leistungspunkte.

Vorzeitige Rückzahlung

Zwischen 8 bis 50,5 Prozent des Darlehensbetrages können unter der Bedingung erlassen werden, dass Darlehensnehmer das Darlehen ganz oder teilweise vor der Fälligkeit tilgen. Der Erlass richtet sich dabei nicht nach den Lebensumständen, sondern nach der Höhe der Darlehensrückzahlung. Beansprucht ein Beispiel-Darlehensnehmer während seiner Ausbildung also 8.000 Euro Darlehenssumme und beendet sein Studium im Jahre 2012, startet die Rückzahlungsphase laut BAföG ab 2017. Zahlt dieser Darlehensnehmer die 8.000 Euro vor 2017 zurück, werden ihm 50,5 Prozent entlassen und der Rückzahlungsbetrag reduziert sich auf 3.960 Euro.

Zuschläge zur Auslandsförderung

Zusätzlich zum eigentlichen Bedarf werden unter oben erwähnten Bedingungen folgende Zuschläge für nicht bei den Eltern wohnhafte Auszubildende geleistet:

  • Studiengebühren, wenn nachweislich notwendig, von bis zu 4.600 Euro für höchstens ein Jahr

  • Reisekosten
    • Innerhalb Europas: 250 Euro pro Hin-/Rückfahrt (je einmal für Studenten, je einmal pro Schuljahr für Schüler, in Härtefällen auch zweimal)
    • Außerhalb Europas: 500 Euro pro Hin-/Rückfahrt (je einmal für Studenten, je einmal pro Schuljahr für Schüler, in Härtefällen auch zweimal)
  • Zuschläge für höhere Lebenshaltungskosten bei Studierenden außerhalb der Europäischen Union/der Schweiß und Krankenversicherungszusatzkosten bei Studierenden sind möglich und beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung abklären.

Die Studiengebühren werden als Zuschuss gewährt, sind also später nicht zurückzuzahlen, alle weiteren Zuschläge werden in derselben Form wie die Grundförderung geleistet.

Sabine, 25 Jahre, Studentin, verheiratet, ein Kind

Laufbahn:

  • Hauptschulabschluss
  • abgeschlossene Berufsausbildung
  • drei Berufsjahre
  • Abitur auf dem Abendgymnasium
  • Ökonomie-Studentin im zweiten Semester an der Uni

Sabines abgeschlossene Berufsausbildung und die drei Berufsjahre erlauben die elternunabhängige Förderung. Wohnhaft sind Sabine mit Ehemann und fünfjährigem Kind im Wohneigentum ihrer Eltern. Der Ehemann geht einem Angestelltenverhältnis nach; Sabine und das Kind sind mit ihm familienversichert. Sabines Förderungsanspruch wird wie folgt berechnet:

Anrechenbares Einkommen von Sabine

Anrechenbares Einkommen des Ehegatten

Berechnung der Förderung nach dem BAföG für Sabine

Der Förderungsbetrag von 430 Euro/Monat teilt sich in 215 Euro rückzahlungsfreier Zuschuss und 215 Euro Staatsdarlehen.

<a name="fragen-sascha" _cke_saved_name="fragen-sascha" "="">Sascha, 28 Jahre, Student</a></h4><p>Laufbahn:</p><ul><li>Student im 6. Semester</li></ul><p>Sascha studiert Pädagogik und lebt im Studentenwohnheim. Beitragsfrei bei den Eltern familienversichert, absolviert auch Saschas Bruder eine Ausbildung und verdient monatlich 733 Euro. Die Mutter ist Hausfrau, der Vater Arbeitnehmer mit einem Bruttojahreseinkommen von 35.470 Euro. Sascha zahlt in eine Riesterrente, also eine staatlich geförderte Altersvorsorge.</p><p>Anrechenbares Einkommen des Vaters</p><p><img src="http://www.wofam.de/bilder/bafoeg/sascha-1.jpg" _cke_saved_src="http://www.wofam.de/bilder/bafoeg/sascha-1.jpg" title="Anrechenbares Einkommen des Vaters"></p><p>Anrechenbares Einkommen des Bruders</p><p><img src="http://www.wofam.de/bilder/bafoeg/sascha-1.jpg" _cke_saved_src="http://www.wofam.de/bilder/bafoeg/sascha-1.jpg" title="Anrechenbares Einkommen des Bruders"></p><p>Anrechenbares Einkommen nach BAföG von Eltern und Bruder</p><p><img src="http://www.wofam.de/bilder/bafoeg/sascha-1.jpg" _cke_saved_src="http://www.wofam.de/bilder/bafoeg/sascha-1.jpg" title="Anrechenbares Einkommen nach BAföG von Eltern und Bruder"></p><p>Berechnung der Förderung nach dem BAföG für Sascha</p><p><img src="http://www.wofam.de/bilder/bafoeg/sascha-1.jpg" _cke_saved_src="http://www.wofam.de/bilder/bafoeg/sascha-1.jpg" title="Berechnung der Förderung nach dem BAföG für Sascha"></p><p>Der Förderungsbetrag von 502 Euro/Monat teilt sich in 251 Euro rückzahlungsfreier Zuschuss und 251 Euro Staatsdarlehen.</p><p><cke:object style="height: 303px; width: 539px"><cke:param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/Vg2GnPf36Rg?version=3&feature=player_detailpage"></cke:param><cke:param name="allowFullScreen" value="true"></cke:param><cke:param name="allowScriptAccess" value="always"></cke:param><cke:embed allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always" height="303" src="http://www.youtube.com/v/Vg2GnPf36Rg?version=3&feature=player_detailpage" type="application/x-shockwave-flash" width="539"></cke:embed></cke:object></p>

Kommentare

Johanna
03.01.2012, 22:29

Ich danke Ihnen recht herzlich, liebe Frau Ziegler! Dieser Artikel hat mir alle offenen Fragen beantwortet und war mir eine echte Hilfe. Meine Wunsch-Universität hat Ihren Artikel empfehlen, wodurch ich erst auf diese Erklärungen gestoßen bin. Nun muss nur noch mein Antrag auf BAföG genehmigt werden.

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