Weihnachtsmärkte in Deutschland: Wirtschaftsfaktor zur „stillen Zeit“
Millionen Deutsche pilgern im Dezember jedes Jahr auf die Weihnachtsmärkte dieses Landes, um festlich gestimmt zu werden, besinnliche Atmosphäre zu genießen – oder das besondere Etwas zu erleben, denn immer mehr überbieten sich Weihnachtsmärkte in ihren Rekorden. Die höchste Pyramide, der größte Tannenbaum oder die gigantischste Adventskerze: Das sind zwar kaum mehr Stimmungs-, dafür aber Umsatzmacher.

Zirka 2.500 Weihnachtsmärkte haben auch in diesem Jahr ihre Pforten geöffnet, um ihre Besucher in Weihnachtstaumel zu versetzen – und ganz nebenher das große Geschäft zu machen.
Preise auf Weihnachtsmärkten
Am Anfang fast jeden Weihnachtsmarktes sieht es human aus: Im Schnitt werden ein bis drei Euro für den Eintritt verlangt; einige Märkte verlangen gar nichts, andere auch deutlich mehr. Einige Schritte gegangen, fährt Besuchern der Duft wärmenden Glühweins oder Mets in die Nase, gepaart mit dem Duft deftiger Bratwürste oder süßen Gebäcks verführt das gerne mal dazu, es einmal im Jahr locker zu sehen. Die Veranstalter reiben sich die Hände. Die Verkaufskräfte auch – allerdings eher vor Kälte, denn für ihren Lohn dürfen sie auf wärmende Handschuhe erst mal sparen. Dumpinglöhne von runter bis zu 1,30 Euro pro Stunde gibt es tatsächlich; alles Weitere geht an die Organisatoren und Standbesitzer. Letztlich kostet ein Glühwein oft mehr als die Arbeitskräfte während ihren 13 Stunden-Arbeitstagen an sieben Tagen pro Woche während der Weihnachtszeit als Stundensatz bekommen:
Auf Stuttgarter Weihnachtsmärkten ist ein Glühwein schon für einen Euro erhältlich, in Saarbrücken, Chemnitz, Halle und Düsseldorf erreichen die Preise 2 bis 2,50 Euro. Bremen, Essen, Frankfurt, Köln, Leipzig und Nürnberg verkaufen das Getränk für durchschnittlich 2,50 Euro, 2 bis 3 Euro zahlen Besucher der Weihnachtsmärkte in Berlin und Hamburg. In Bochum geht der Preis auf 2,50 bis 3,50 Euro rauf und München ist mit 3 bis 3,50 Euro Spitzenreiter (Preise exklusive Schuss und Pfand). Das Gefälle der Preise für andere Getränke und Speisen gleicht sich im Durchschnitt an.
Deutschlandweit der teuerste Weihnachtsmarkt mutet fürstlich an: Der Weihnachtsmarkt auf Schloss Thurn und Taxis im bayerischen Regensburg fordert werktags fünf Euro Eintritt, am Wochenende sechs Euro. Die Preise auf dem Markt sind entsprechend angepasst; Gourmets können gerne mal sieben Euro für mit Lachs verfeinerte Reibekuchen loswerden.
Organisation von Weihnachtsmärkten
Schaustellervereine, Verbände oder Unternehmen organisieren Weihnachtsmärkte größtenteils; nur noch ein Drittel entstammt der Organisation der jeweiligen Kommune. Der Weihnachtsmarkt am Hamburger Rathausmarkt wird beispielsweise durch den Circus Roncalli veranstaltet. Dass das Geschäftsziel fernab davon liegt, weihnachtlichen Stimmungszauber in die frierenden Herzen der Besucher zu pflanzen, versteht sich: Profit will gemacht werden.
Dass das Geschäft „Weihnachten“ funktioniert, zeigt die Zwischenbilanz des Münchener Weihnachtsmarkts, die der Tourismusverband München am 09.12. in einer Pressemitteilung (PDF-Download) zieht: „Ein starker Touristenstrom bringt unseren Münchner Christkindlmarkt allmählich auf Touren. Es zeigt sich bereits zur Halbzeit, dass sich das Gästeaufkommen auf hohem Niveau einpendelt“, resümiert die Münchener Tourismousdirektorin Dr. Gabriele Weishäupl. Profitabel zeigt sich der Zulauf aus dem europäischen Umland, konkret der Schweiz, Österreich und Italien, der besonders am 08. Dezember, Feiertag in den Nachbarländern, einschlug. Waren es im Jahr 2010 insgesamt 1,6 Millionen Besucher, die den Münchener Christkindlmarkt besuchten, schätzt das Tourismusamt das Besucheraufkommen bis zur Halbzeit 2011 ebenfalls auf 1,6 Millionen.
Am lukrativsten zeigen sich Glühweinstände, die genau aus diesem Grund solidarisch an der Standmiete anderer Büdchen teilhaben: Ein Glühweinverkäufer zahlt für einen Meter Marktstand auf dem berühmten Nürnberger Christkindlmarkt 522 Euro Miete für die Saison, andere Budenbetreiber aus umsatzschwächeren Bereichen nur 83 Euro.
Weihnachtsmärkte kurbeln den Tourismus an – und mit steigender Nachfrage klettern bekanntermaßen auch die Preise in die Höhe. Sichtbar wird das insbesondere an steigenden Hotelpreisen, aber auch Einzelhandel und Kommunen profitieren. Der Weser Kurier berichtet von der Stadt Bremen: Der Einzelhandel rechne im Dezember mit 90 Millionen Euro Umsatz und damit mit rund 40 Millionen Euro mehr als in den restlichen Monaten. Mit zirka zwei Millionen Besuchern kratzt der Bremer Weihnachtsmarkt an der Beliebtheit des Nürnberger Christkindlmarkts, wenngleich die Zahlen nur auf Schätzungen beruhen.
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